Feminismus-AK

24.02.2025 |

Ein Erfahrungsbericht I Wintersemester 2024/2025

Dieses Semester erhielt ich die Möglichkeit, einen feministischen Arbeitskreis ins Leben zu rufen. Diese Idee kam nicht aus dem Nirgendwo, bereits in meinem ersten Jahr im AMH existierte eine feministische Gesprächsrunde, in der wir in einem reinen Frauenkreis vor allem poli­tische Themen besprachen. Dieser Kreis hat mir geholfen, mich sowohl im Wohnheim als auch in Heidelberg einzuleben und gänzlich anzukommen. Da dieser Kreis im Wohnheimstrubel etwas eingeschlafen war und die weltpolitische Lage immer erdrückender schien (und es bis heute auch noch tut), entschied ich mich dazu, einen solchen feministischen Kreis zu initiieren. Das ist die kleine Entstehungsgeschichte des „Feminismus-AK“. Und nach einem Semester darf der „Feminismus-AK“ 31 sowohl aktive als auch passive Mitglieder verzeichnen. Diese Tat­sache erfüllt mich mit größter Freude und Dankbarkeit. Niemals hätte ich gedacht, dass aus dieser kleinen Idee ein so stabiler Kreis entstünde. Der Kreis ist für alle Geschlechter offen, Geschlechtsidentitäten spielen bei uns keine Rolle. Denn Feminismus betrifft uns alle. Feminismus soll uns alle stärken. Mit dieser Grundüberzeugung im Hinterkopf ist das Hauptanliegen des „Feminismus-AK“ einen safer space zu bieten, in dem jede Person willkommen ist und von den anderen bestmöglich unterstützt wird. Jede Person darf und soll so viel teilen, wie sie möchte. Egal, wer du bist, woher du kommst und wie du dich identifiziert, wir heißen dich sowohl im AMH als auch im „Feminismus-AK“ herzlich willkommen.
 
Im „Feminismus-AK“ haben wir unter gemeinsamen Schwerpunktlegung ein breites Spektrum von unterschiedlichen Themen festgelegt: begonnen bei Moshtari Hilals Sachbuch Hässlichkeit haben wir den scheinbar unendlich großen Diskussionsgegenstand „Schönheitsideale“ abge­handelt. Hässlichkeit hat uns dabei einen wahnsinnig künstlerischen und diversen Einblick gege­ben. Weitere Gesprächsthemen waren: „Frauendarstellung/Darstellung diskriminierter bzw. margina­lisierter Figuren in Kunst und insbesondere in Literatur“, „Notwendigkeit von Feminis­mus angesichts der weltpolitischen Lage“, „Selbstliebe“ und „Girls support girls - wie setzen wir das konkret um?“ und und und… Im „Feminismus-AK“ ist es uns zudem ein Anliegen, einen möglichst breiten und diversen Einblick in die unterschiedlichen internationalen feministischen Bestrebungen und Forderungen zu bieten. So war mein absolutes Highlight dieses Semester der (digitale) Besuch von Mervat, einer poetry-slammerin aus Wien, die ihre Diskriminierungserfah­rungen als sichtbare Muslima literarisch verarbeitet. Ich habe immer noch Gänsehaut, wenn ich an ihren Vortrag und ihre Erfahrungsberichte denke. Das war ein einzigartiger Einblick, den nur sie uns so eindrucksvoll geben konnte. Welch inspirierende Begegnung – aus ihr sprach eine sol­che Stärke zu uns! Natürlich war im „Feminismus-AK“ auch immer Platz für persönliche Fragen, Belange und Problemstellungen. Einen safer space zu bieten, bedeutet erst einmal, dass alle Be­teiligten Raum für ihre Bedürfnisse haben und diese frei kundtun können: diese haben und hat­ten immer Vorrang vor den thematischen Teilen der Sitzungen stets dem Grundsatz folgend: jede Person teilt nur so viel, wie sie möchte. So versucht der „Feminismus-AK“ auf bedürfnisorien­tierte Kommunikation zu setzen. Dies bedarf stetiger Weiterarbeit, ist jedoch so lohnend! Selten habe ich mich an einem Ort so akzeptiert gefühlt.
 
In wöchentlichen Sitzungen haben wir ein äußerst breites Themenspektrum abgedeckt. Mein größtes Freudenerlebnis dabei ist aber, wie gut sich die unterschiedlichsten Leute zusammen­gefügt haben und einander auf solch respektvoller Weise begegnet sind. Es ist egal, welches feministische Vorwissen bei Einzelpersonen besteht oder nicht, jeder Beitrag ist kostbar und trägt zu unserem Gespräch bei. Vielen Dank für so viel Neugierde, für so viel Freude beim Diskutieren und so viel kritisches Nachfragen. Und nicht zuletzt vielen Dank für das Vertrauen, das ihr, der derzeitige „Feminismus-AK“ mir entgegengebracht habt. Es war mir die größte Freude, diesen Kreis leiten zu dürfen.
 
Nun kann ich dich nur darin ermutigen, falls du dich von diesem kleinen Bericht angesprochen fühlst: werde gerne Teil des „Feminismus-AK“! Wenn du Scheu hast, kannst du auch erst ein­mal nur als passives Mitglied unserer Signal-Gruppe beitreten: dort findest du inhaltlichen Input, auditive Zusammenfassungen und auch einfach mal eine Möglichkeit, dich mit anderen Leuten auszutauschen. Natürlich bist du aber genauso in den Sitzungen willkommen! So bleibt mir nur noch zu sagen: auf ein tolles neues Sommersemester 2025 mit dem „Feminismus-AK“. 
 
Text: Anna Nesemann
Wien, den 20.02.2025